South Park und rechtes Gedankengut

  • Es gibt ja schon diesen beliebten und belebten Thread, der die Verbindung von Matt & Trey zu konservativer US-Politik diskutiert. Ich möchte eine weitere Polit-Diskussion anstoßen, die aber nicht den Zeitungslesern vorbehalten sein soll, sondern zu der möglichst jeder seinen (bitte begründeten!) Senf abgeben kann.


    Ich sehe mich genötigt etwas weiter auszuholen: Rechte Gruppen arbeiten mit Nachdruck daran Gedankengut, welches – bspw. auf Grund von nationalistischem, rassistischen oder antisemitischem Inhalt – zurecht verteufelt war, Schritt für Schritt in unserer Gesellschaft zu etablieren. Ohne mich jetzt auf diese Diskussion einlassen zu wollen, nenn ich als Beispiel Deutschlands neues Nationalgefühl. Auf einmal ist wieder jeder irgendwie "Stolz" auf sein Land, und der eine ist dann gleich "Stolz ein Deutscher zu sein" oder ein "stolzer Deutscher" und schon ist der Fußball-Fan nicht mehr vom Nazi zu unterscheiden – salopp gesagt. Ein anderer Ansatz der Rechten ist es, sich beispielsweise Punk-Lieder zu eigen zu machen: was für ein dreistes Vorgehen ist es, auf NPD-Demos "Deine Schuld" von den Ärzten zu spielen um die Grenze zwischen der einen und der anderen "Protestkultur" verwischen zu lassen und eine vermeintliche Übereinstimmung in den Zielen zu suggerieren!


    Jetzt endlich zu South Park: In den letzten Staffeln dreht Cartman immer mehr auf und sein ohnehin schon immer offensichtlicher Antisemitismus überschlägt sich selbst. Das erreichte in der 8. Staffel bekanntlich seinen Höhepunkt, als er befand es sei "Zeit für Rache" – ihr wisst ja wovon ich spreche! Ich selbst mag die Folge sehr und halte sie für eine gelungene Provokation; ja sie provoziert ja sogar mich! Denn bezogen auf das, was ich in dem vorigen Absatz versucht habe zu erklären, müssten die Braunen Freudensprünge machen, wenn der Satz "Wir müssen die Juden ausrotten!" wieder öffentlich im Fernsehen gesagt wird. Und das auch noch von einer Figur, die vielleicht nicht unbedingt Identifikationspotential bietet, aber nichtsdestotrotz einer Vielzahl von Leuten hier der Lieblingscharakter der Serie zu sein scheint! (Seit dem Umzug zu MTV ist das Publikum von SP zudem (1) merklich größer aber (2) nicht unbedingt älter oder verständiger geworden.)
    Matt und Trey haben ja schon des öfteren zu verstehen gegeben, dass sie gerne die Liberals aufs Korn nehmen, weil die sich mit ihrer politischen Korrektheit so schön aufregen. Ich schätze da gehöre ich wohl jetzt auch dazu. Leider versäumen sie dadurch aber manchmal, Stellung zu beziehen. Cartmans Hass auf Juden wird in der Serie quasi nichts entgegengestellt. Das mag in den USA eine Provokation sein; in Deutschland ist es vielleicht ein Fehler!


    Ich finde das ein schwieriges Thema. Einerseits stehe ich immer und gerne für Freiheit ein und räume Humor gerne ein, jegliche Grenze überschreiten zu dürfen. Aber ich denke doch auch, dass damit der Rechten wirklich ein Gefallen getan werden könnte. Und das macht mich wütend! Aus diesem Grund möchte ich das hier diskutieren.


    Stimmt mir zu oder beruhigt mich! Bezieht Stellung! Macht Vorschläge! Oder denkt wenigstens darüber nach!

  • hmmm... ich finde das wirklich schwierig. Klar ist, dass South Park von einem viel jüngeren Publikum angesehen wird als empfohlen, klar ist auch, dass Cartmans radikale Meinung sehr provokant ist. Dennoch finde ich, dass jedesmal deutlich genug wird, wie dumm ebendiese Meinung ist.


    Leider sind zu junge Zuschauer zum Teil eben noch zu wenig aufgeklärt oder haben generell noch nicht wirklich über manche Dinge nachgedacht, so dass sie sich leicht selbst von so absurden "Vorbildern" prägen lassen. Manche sind sehr beeinflussbar und großteils sind junge Zuschauer gerade Fans von Cartman, weil er einfach so krass ist. Das ist tatsächlich gefährlich, würde ich mal sagen.


    Ich finde, hier kann aber keine Schuldzuweisung geschehen, das South Park wie gesagt nicht für dieses Alter gedacht ist. Ab einem gewissen Alter hingegen ist es entweder eh zu spät, so dass dann diese eine Sache das ganze auch nicht schlimmer machen kann (immerhin ist Kyle ja auch ein Hauptcharakter, es ist ja keine antisemitische Serie), oder aber der Zuschauer schon weit genug ist, um mit solchen radikalen Darstellungen radikaler Meinung umgehen zu können.

  • Dazu, dass Cartmans Verhalten nichts entgegengesetzt wird: das sehe ich nicht unbedingt so eng. Cartman ist in der Serie eindeutig "das Böse" schlechthin, wer sollte das nicht verstehen?


    Und ich denke, es ist nicht nötig immer und immer wieder zu betonen, dass Judenhass und Nazi-Gehabe falsch sind... das bekommt man in Deutschland nämlich dauernd eingetrichtert. Jeder weiß es, und wer es bestreitet, dem ist so sowieso nicht mehr zu helfen. Bei einer Serie wie South Park braucht man deshalb nicht auch noch extra zu erklären, dass Cartman der Böse ist. Wer ihn für sein Verhalten ernsthaft bewundert wurde nicht durch South Park zum Nazi, sondern war schon vorher einer.


    Jetzt aber zu den Fans an sich, die Cartmans Judenwitze so super finden... das ist natürlich fragwürdig. Aber ich denke bei vielen ist es so, dass sie es einfach deshalb mögen, weil es (gerade in Deutschland) so etwas wie die größtmögliche Provokation darstellt. Hippies, Schwule, Politiker, Stars, Katholiken... darüber kann man auf allen Kanälen lachen. Aber Judenwitze sind etwas "besonderes", und wenn man darüber lacht, dann kommt man sich vielleicht ein bißchen härter vor als andere. Oft kommt dann auch noch fehlende Intelligenz dazu, sonst würde man andere Sachen an South Park witziger finden ;)
    Bestimmt gibt es auch welche, die sich ernsthaft damit identifizieren. Aber ich glaube, das sind die allerwenigsten.

  • Ich fande die Passionsfolge eher als einen Ausdruck von Cartmans Größenwahnsinn und einer Verkettung von Missverständnissen. Dumm fand ich ja, dass man diesen Ausdruck (in Landessprache) so ließ, somit ist die verdeckte Propaganda enthüllt. In den USA haben Juden wirklich eine neutralere Stellung. Judenwitze sind da ganz alltäglich und spiegeln ihre Gesellschaftsposition wieder. Historisch ist es in Deutschland leider etwas anders geartet, deswegen ist dieser amerikanische Hintergrund etwas neutralisierend aufzufassen.
    In Amerika sind ja auch die Christen sehr stark verbreitet, das wirkt in manchen Folgen für Deutsche Zuseher ein klein wenig befremdlich, da der Alltag das Gegenteil aufzeigt.

  • So lustig ich es auch die vielen Stellen finde;
    Ich kann mir schon vorstellen, dass irgendwelche Rechtsgerichtete ihre Freude an den vielen Nazi- und Hitlerbezügen haben.


    Die Botschaft -gerade bei "the passion of the jew" ist schon sehr versteckt, als dass man den Inhalt nicht leicht für rechtsgerichtete Zwecke instrumentalisieren könnte.


    Meine Meinung dazu ist, dass im Gegensatz zu -sagen wir mal- Alfons Hatler in "der Wixxer" bei SP Rechtsradikalismus nicht überspitzt im Sinne einer Satire dargestellt wird. Das mit Cartman war lustig, weil es so dreist war das so darzustelllen, nicht weil Rechtsradikalismus in irgendeiner Weise veralbert wurde.


    Ja, ich denke schon, dass diese Art der Darstellung vielen Menschen zu Recht sauer aufstoßen kann, so lustig ich selbst diese auch finde.
    Ich weiß, ich habe früher anders darüber gedacht, aber vielleicht ist es doch besser, gerade hier manche Folgen einfach nicht auszustrahlen.

    Zitat

    Helmut Thoma
    „Im Seichten kann man nicht ertrinken.“
    „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“

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  • Ich finde eh, dass Cartmans Charakter im Bezug auf seine Judenwitze eher/ausschließlich satirisch anzusehen ist. In der Folge, in der er die Massen für seinen Antijudenmarsch gewinnt, versteht ihn ja nicht mal einer. Das ist ja eine anspielung auf: "Die Masse ist dumm, stumpf und kopflos".


    Es wäre eher eine Diskriminierung, wenn man das "Judenthema" immer
    mit Samdhandschuhen angepacken würde, als dass die Juden mit Christen, Schwarzen, Schwulen, Veganern, Rothaarigen ....gleichgesetzt werden würden. ;)

  • Ich habe diese Frage aus der Perspektive, die kid geschildert hat, noch gar nicht betrachtet... ich selbst finde die Persiflage auf Hitlers Rhetorik, die Cartman bei seiner Rede bietet, aus dem gleichen Grunde gelungen wie Swiffi: Obwohl ihn keiner versteht, wird mitgemacht, weil der Takt so schön ist. Ich mag die Folge allerdings auch lieber wegen der Message, nicht weil Cartman als Hitler unterwegs ist.


    Und das ist der Kern: ZiB meinte, daß es für JEDEN offensichtlich sei, daß Cartman böse und ein geborener Antagonist ist. Und das sehe ich anders: Wer es immer noch lustig findet, 'TIMMMÄÄH' zu brüllen und Kennys Tode für das Beste an South Park zu halten, dem geht auch bei Cartmans Haßtiraden einer ab - da wird die eigentliche Aussage der Folgen und Cartmans krasses, soziopathisches Fehlverhalten doch sekundär! Und schon ist es wieder salonfähig, mit Bezug auf South Park Judenwitze zu machen, was mich sehr zum Kotzen bringt. Da braucht man doch nur mal ein paar der Profile hier im Forum anzugucken.


    Dann wiederum glaube ich nicht, daß Cartman für rechte Propaganda in Deutschland oder weltweit eingesetzt werden KANN. Nazis nehmen sich und ihre Meinung doch immer so bierernst; die würden im Leben keine weltbekannte Cartoonfigur dafür verwenden, die zudem aus den USA stammt und Hitler parodiert. Zum Glück. Ansonsten könnten all die "Fans", die ich im zweiten Absatz angesprochen habe, Gefahr laufen, bei der nächsten Wahl einfach mal die Partei zu wählen, die den Hitler-Cartman im Werbespot verwendet hat. Denn so, wie die South Park gucken, wählen die wahrscheinlich auch... :rolleyes:

  • ZiB's Beitrag fasst eigentlich alles super zusammen. :thumbup:


    Ich finde das Thema jetzt an sich etwas blöd - es gibt schliesslich immernoch so etwas wie Hausverstand. Sich zu fürchten, dass es Leute gibt, die keinen haben und daraufhin Satire mit rechtsradikalen Parolen verwechseln, bringt nichts. Das ist eine Hysterie, der ich absolut nichts abgewinnen kann. :nono:


    Ach ja, noch was: Kleine Kinder, die "timmäääääh" genauso lustig finden wie Cartman's Nazi-Parolen nehme ich nicht ernst. Ich meine so richtig überhaupt nicht.

  • Zitat

    Matt und Trey haben ja schon des öfteren zu verstehen gegeben, dass sie gerne die Liberals aufs Korn nehmen, weil die sich mit ihrer politischen Korrektheit so schön aufregen. Ich schätze da gehöre ich wohl jetzt auch dazu. Leider versäumen sie dadurch aber manchmal, Stellung zu beziehen. Cartmans Hass auf Juden wird in der Serie quasi nichts entgegengestellt. Das mag in den USA eine Provokation sein; in Deutschland ist es vielleicht ein Fehler!


    Wenn ich dich richtig verstehe, dann wünschst du dir von SP eine deutliche Stellungnahme gegen Antisemitismus, damit Cartmans Hasstiraden gegen Juden nicht mehr falsch verstanden und (einfältigen) Rechten fehlinterpretiert werden können. Richtig?


    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass so manch ein etwas einfach gestrickter Mensch mit ohnehin schon rechtem Gedankengut seine Freude an Cartmans Äußerungen hat.


    Allerdings haben solche Leute- wie dein Beispiel ja zeigt- auch Freude an Ärzte- songs.
    Und die Ärzte sind eine Band, die sich immer sehr, sehr klar von Nazis abgegrenzt haben (siehe Schrei nach Liebe oder Scheint die Sonne auch für Nazis?).
    Dennoch kapieren das die Rechten offenbar nicht. Fraglich also, ob es bei SP was bringen würde, wenn sich Parker und Stone klarer abgrenzen würden.


    Jeder, der sich ein bisschen mit SP beschäftigt, wird erkennen, dass eine der Hauptfiguren jüdisch ist und dass das für die anderen Charaktere (Cartman ausgenommen) kein Thema oder Problem darstellt.
    Weiterhin sollte auffallen, dass einer der Macher eine jüdische Mutter hat (oder ist es der Vater?). Von daher müsste eigentlich klar sein, dass hier kein Antisemitismus im Spiel ist.
    Dennoch kann es natürlich sein, dass das nicht jeder erkennt, das gebe ich zu ;).
    Allerdings wird es in der Comedy/ Satire- Sparte immer Leute geben, die die Ironie oder den Humor nicht verstehen und die deshalb Missinterpretationen vornehmen.



    Bei SP muss man aber auch bedenken, dass die Serie deutlich auf den US- Markt zugeschnitten ist.
    Parker und Stone haben meiner Meinung nach nicht die Verpflichtung, sich Gedanken zu machen, ob und in welchem Maße sie hier in Deutschland irgendwelchen minderbemittelten Nazis in die Hände spielen, indem sie ihnen "Judenwitze" liefern.


    Wenn jemand sich der rechten Szene zugehörig fühlt und zudem noch so stark durch Äußerungen einer Cartoon- Serie beeinflussbar ist, dann läuft da in der persönlichen Entwicklung des Betreffenden ohnehin schon einiges schief- die paar Witze von Cartman fallen dann sicherlich nicht allzu sehr ins Gewicht.


    Der SP Einfluss ist in den USA unter Jugendlichen wohl deutlich stärker als hier. Wenn ich etwas nennen müsste, was mich an SP stört, dann wäre es nicht Cartmans Antisemitismus- denn der ist meiner Meinung nach schon als "Witz" erkennbar.


    Vielmehr stört mich die zum Teil etwas zu deutliche konservative Ausrichtung; ich habe manchmal den Eindruck, dass Parker und Stone sich furchtbar cool vorkommen, wenn sie gegen das angeblich so schlimme liberale Hollywood bzw. gegen liberales Gedankengut wettern. Ich würde vermuten, dass nach Manbearpig die Zahl der Al Gore Hasser unter den SP- Zuschauern deutlich zugenommen hat ;)....
    Dagegen schätze in den Einfluss von SP auf deutsche Rechte relativ gering ein.

    You woke up this morning,
    got yourself a gun,
    Mama always said you´d be the chosen one.
    She said: You´re one in a million,
    you´ve got to burn to shine,
    but you were born under a bad sign
    with a blue moon in your eyes...

  • Natürlich kann bei vereinzelten Personen so ein Gedankengut entstehen, aber ich finde man sollte das nicht verallgemeinern. Es ist doch dasselbe wie mit den "Killerspielen": Nur weil einer mal durchdreht, tut das doch die Allgemeinheit nicht, damit meine ich, es gibt doch immer mal dumme und unreife Menschen, die sich zB dann rechten Gruppierungen anschließen, aber das ist nur eine Minderheit. Und auch wenn sich ein alter NPD-Sack über die Äußerungen ("Wir müssen die Juden...") freut, glaube ich nicht, dass er dadurch mehr Parteifreunde gewinnt. Ich finde es sogar gut, dass diese Folge in Deutschland ausgestrahlt wird, endlich kann man mal lachen, aber nicht über die Judenvernichtung, sondern über Hitler, die Nazis und ihre teilweise überholten Ansichten. Außerdem ist es hier in Deutschland grade eher cool ein Aggro-Rapper mit türkischen Slang zu sein, als ein rechtsgerichteter Pazifist, da kann auch die WM nichts dran rütteln, diese hat viel mehr für eine gesunde Beziehung zu seinem eigenen Land gesorgt.