South Park Seminararbeit

  • Hi alle, bin neu hier!


    Ich studiere Geschichte und schau auch sehr gern South Park. Jetzt muss ich eine kleine Seminararbeit über "Antisemitismus in SP?" schreiben und würde mich wirklich sehr sehr freuen, wenn ihr mir ein bisschen dabei helfen könntet und ich euch um ein paar kleine Impressionen bitten dürfte!


    Wie bewertet ihr explizit antisemitische Inhalte in SP allgemein? Fallen euch event. bestimmte Folgen ein, in denen solche Inhalte einen größeren Raum einnehmen außer die, die mir ad hoc in Erinnerung sind (Passion of the jew, 2 days bevore the day after tomorrow (jew gold), woodland critter christmas, mr hankey)? Warum findet man eigentlich antisemitische Witze in SP dann doch irgendwie lustig, bzw. unter welchen Voraussetzungen kann (oder darf) man das lustig finden? (schwierige Frage, ich zerbrech mir schon sehr lang den Kopf um eine mögliche Antwort) Können solche antisemitischen Witze/Inhalte, obwohl es ja Satire ist, unter Umständen vielleicht trotzdem gefährlich sein?


    Wie gesagt, ich wär euch wirklich äußerst dankbar für ein paar Anregungen!

  • Willkommen hier im Forum! :wink:


    Zitat

    Original von stix
    Fallen euch event. bestimmte Folgen ein, in denen solche Inhalte einen größeren Raum einnehmen außer die, die mir ad hoc in Erinnerung sind (Passion of the jew, 2 days bevore the day after tomorrow (jew gold), woodland critter christmas, mr hankey)?


    Aufgrund von Cartmans Einstellung gibt es in natürlich in vielen Folgen derartige Anspielungen. Unbedingt erwähnenswert finde ich noch die Folge "Cancelled", in der zwei zweifelsohne auf antisemitischen Vorurteilen basierende Aliens eine entscheidende Rolle spielen (zum Thema Medien).


    Zitat

    Original von stix
    Warum findet man eigentlich antisemitische Witze in SP dann doch irgendwie lustig, bzw. unter welchen Voraussetzungen kann (oder darf) man das lustig finden? (schwierige Frage, ich zerbrech mir schon sehr lang den Kopf um eine mögliche Antwort)


    Das ist in der heutigen Zeit grundsätzlich eine berechtigte Frage. Ich persönlich lehne mich hoffentlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich - ja, sogar als Deutscher - über rassistische Witze lache, sofern sie aus der Feder von jemandem stammen, der das anders beurteilen kann als ich. Soll heißen: Wenn Dave Chappelle, Matt Stone oder Dave Jesser/Matt Silverstein ihre Programme schreiben und Witze machen mit dem Tenor "hey, pfeifen wir doch auf die rassistischen Stereotypen und treiben sie auf die Spitze", muß ich darüber lachen. Wohlgemerkt darf man dabei nie vergessen, daß es sich um bewußt zur Unterhaltung geschaffene Comedy handelt.


    Zitat

    Original von stix
    Können solche antisemitischen Witze/Inhalte, obwohl es ja Satire ist, unter Umständen vielleicht trotzdem gefährlich sein?


    Ja. Sobald Cartman, der als Hitler verkleidet gegen die Juden South Parks zu Felde zieht, vor die falschen Augen und Köpfe gerät, hört der Spaß auf, obwohl die Folge letztlich eine schöne Parallele auf Hitlers Machtergreifung und seine Ziele darstellt. Aus diesem Grunde ist South Park hierzulande ab 16 freigegeben, damit man schon differenzieren kann, was man sieht. Einfacher gestrickte und jüngere Gemüter jedoch können meines Erachtens durch solche Szenen dazu gebracht werden, Nazideutschland als Komödie anzusehen.

  • Nun, ich würde zunächst in Frage stellen, ob die Witze über Juden in SouthPark wirklich alle als antisemitisch zu bezeichnen sind, also aus einer feindlichen Haltung heraus entstehen. Schließlich ist der Umgang mit den Juden in den USA wesentlich unbelasteter als hierzulande, so dass problemlos ein humorvoller Umgang mit diversen Klischees möglich ist, so wie wir das bei uns vielleicht mit Witzen über Österreicher (oder auch umgekehrt über Deutsche!) machen können, hinter denen ja auch kein Hass steckt. Bei uns wird natürlich jeder humorvolle Umgang mit den Juden gleich in die antisemitische Ecke gesteckt. Aber eigentlich ist ein Witz über den geldgierigen Juden nicht allzu viel schlimmer als ein Witz etwa über den sparsamen Schotten - solange er natürlich nur aus reinem Humor gemacht wird, und nicht, um diese Menschen wirklich in Verruf zu bringen.
    Zudem muss man sagen, dass SouthPark sich über alle möglichen Bevölkerungsgruppen lustig macht, und das unter anderem auch, um die ganzen Gutmenschen zu provozieren, die sich dann darüber beschweren. Mir fällt dazu Harald Schmidt ein, der einmal gesagt hat, dass er sich mit seinen Polenwitzen in Wirklichkeit nicht über Polen lustig macht, sondern über diejenigen, die sich so furchtbar darüber aufregen.

    "Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht" (Dr. Edmund Stoiber)

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  • Zitat

    Original von Flo
    . Ich persönlich lehne mich hoffentlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich - ja, sogar als Deutscher - über rassistische Witze lache.


    Hab gerade einen interessanten Artikel gelesen mit dem schönen Titel "The Secrets of Successful Racism - Why Eric Cartman can tell a joke and Don Imus can't." Da steht:
    "(...)episodes of Seinfeld and South Park, which millions of Americans-most of whom would find real-life discrimination repulsive-enjoyed because they invoked "hurtful" stereotypes and provided a pressure release valve for our collective guilt, anger, confusion and repression."
    http://www.reason.com/news/show/119583.html


    Die These heisst im Grunde, dass politisch inkorrekte Witze quasi ein Ventil für den gesellschaftlichen Druck (= gesellsch. Erwartungshaltungen, dass man eben best. Normen wie political Correctness etc. einzuhalten hat) darstellen, und dass das Lachen über solche Witze den Druck praktisch ablassen hilft.
    Die Idee find ich interessant. Demzufolge lachtest du vielleicht über antisemitische Witze gerade WEIL du Deutscher bist! Was ich schon von mehreren detuschen Kollegen gehört hab, wird man ja bei euch wirklich von oben bis unten zugepflastert mit dem ewigen 3.Reich-blabla (eh-schon-wissen) dass man es nicht mehr hören kann und was gesellsch. Druck im obigen Sinne erzeugt. (Wobei ich sagen muss: Was bei euch schon zu viel des guten puncto Geschichtebewusstmachen usw. ist, ist bei uns in Österreich dafür definitiv zu wenig.)


    Kann wer von euch diesem Ansatz vielleicht auch was abgewinnen?


  • Nein nein, so würde ich das auf keinen Fall sagen.
    Für mich ist das Satire und Ironie und deshalb ok und lustig.

  • Da hast du schon recht, dass das Satire ist und ironisch gemeint ist. Aber vielleicht wär diese "Theorie" eben eine Erklärung (oder Teil-Erklärung) WARUM die Satire hier funktioniert - sprich: warum man in diesem speziellen Fall den Tabubruch lustig findet.

  • Aber dieser Tabubruch geschieht eben vor allem aus deutscher Sicht. Die USA dagegen haben, wenn man von geschichtlichen Altlasten ausgeht, die solche Tabus verursachen, gegenüber Token wesentlich mehr historischen "Dreck am Stecken" als gegenüber Kyle. Aber auch mit diesem Thema wird in SouthPark gewohnt locker umgegangen.

  • Ich denke ein wichtiger Punkt, warum die Satire bei South Park funktioniert ist eher, dass sich dort über jeden lustig gemacht wird.


    Würden sagen wir in jeder Folge nur Juden die Opfer sein, dann würde das garantiert niemand toll finden. Aber South Park schafft es (in der Regel) sich über "Randgruppen" so lustig zu machen, dass man nicht wirklich böse darüber sein kann. Wird in der einen Folge das Judentum verarscht ist in der nächsten der Islam dran - und dann die Katholiken. So ist das ganze auf seine Weise gerecht.


    Dass man gerne über Tabuthemen (wie in Deutschland Juden) lacht ist sicher ein Teilaspekt, aber der Erfolg von South Park liegt eher darin, dass sie sich nicht nur auf diese stumpfe Art von Humor beschränken, sondern das ganze mit intelligenter Satire verknüpfen. Und immer wieder neue Themen herauspicken.

  • Ich würde mal sagen: genau der Aspekt, dass South Park vor nichts zurückschreckt, alles in den Dreck zieht und vor allem eben diese krasse Menge an Tabü-Brüchen zeigt, ist der Grund, warum es so einen Erfolg hat.
    Das Interesse an der Show liegt ja gerade bei dem Punkt, dass so viel skurrile und "verbotene" Dinge gemacht werden.
    Dazu kommt noch die weitere Witze-Raffinesse und dann klappt's auch mit der riesigen Menge Fans.


    Die Serie zeigt halt einfach, dass es in der heutigen Welt von Zensur und allen möglichen ethnischen Beschränkungen im Fernsehen trotzdem möglich ist, alle möglichen politischen Tabus zu brechen.
    Wie schon gesagt:

    Zitat

    Original von Qurculio
    Mir fällt dazu Harald Schmidt ein, der einmal gesagt hat, dass er sich mit seinen Polenwitzen in Wirklichkeit nicht über Polen lustig macht, sondern über diejenigen, die sich so furchtbar darüber aufregen.


    Und vor allem:
    Sogar sich selbst verarschen die SP-Macher - und wenn wirklich jeder, selbst die Produzenten selbst, in den Dreck gezogen wird, dann ist das " 'Verarschungs-Potenzial' wieder überall gleich".
    So sehe ich das.


    Deswegen kann die Serie auch nur jemand gucken/nachvollziehen, der auch über sich selbst lacht/lachen kann; auch über Vorurteile, solange es nicht z.B. ernst gemeint ist.

  • Ich stimme Curculio zu: Die Witze über Juden in SP entstehen nicht aus einer antisemitischen Haltung heraus. Cartman hasst Juden zwar und verfolgt auch die Idee es so wie im 3. Reich zu machen, allerdings ist das bei ihm nur eine eine Möglichkeit, die er durchprobiert und er tut es nicht, weil er die Juden vernichten will und schon immer wollte.
    Sein Dilettantismus unterstreicht das noch, er will vor allem Kyle eins auswischen und da steigert er sich in etwas rein, was in Passion of the Jew vor allem durch Mel Gibsons Erscheinen ad absurdum geführt wird.


    Viele Sendungen und Shows in den USA machen sich über Juden lustig, wobei diese keine Sonderstellung einnehmen wie bei uns, sondern die Herangehensweise resultiert aus den amerikanischen Stereotypen, von denen es eine Vielzahl gibt. Ein Beispiel für so eine Show wäre (und jetzt nicht lachen :D) "Die Nanny". An Stereotypen werden in SP noch viele andere durch den Kakao gezogen (Rednecks, monetär-rassistische Polizisten, It-Girls etc.) und die Juden sind halt einer davon.


    Insofern würde ich bei SP nicht von Antisemitismus sprechen, da dieser per Definition gar nicht vorkommt. Es geht nicht um Rasse, um die Juden als Bedrohung für die eigene Volksgruppe und auch nicht um Verschwörungen wie das "Weltjudentum".


    [SIZE=7]Ach ja, monetär-rassistisch hab ich mir grad eben ausgedacht...[/SIZE]

    Mehr als 90% aller Verbrechen geschehen innerhalb von 24 Stunden nach dem Konsum von Brot.