22. Staffel - eure Meinungen!

  • Welche Folge war die beste in dieser Staffel? 6

    1. 2201 - Dead Kids (0) 0%
    2. 2202 - A Boy and a Priest (1) 17%
    3. 2203 - The Problem with a Poo (0) 0%
    4. 2204 - Tegridy Farms (0) 0%
    5. 2205 - The Scoots (4) 67%
    6. 2206 - Time to Get Cereal (0) 0%
    7. 2207 - Nobody Got Cereal? (1) 17%
    8. 2208 - Buddha Box (0) 0%
    9. 2209 - Unfulfilled (0) 0%
    10. 2210 - Bike Parade (0) 0%

    Obwohl es in letzter Zeit extrem ruhig geworden ist und selbst ich zu den letzten Folgen nicht mal mehr meine Meinung kundgetan habe, würde ich jetzt doch beim Fortführen der Tradition mal die Initiative ergreifen, wohl auch, um selbst relativ zügig damit abschließen zu können.


    Fangen wir von vorn an:


    Die ersten drei Episoden erregten natürlich mit "#cancelsouthpark" Aufmerksamkeit und bestachen im Vorfeld durch eine gewagte Themenwahl, worauf aber in zwei von drei Fällen bei mir Ernüchterung folgte: Während "A Boy and a Priest" sich mit der Geschichte um Priester Maxi und Butters angenehm nach Oldschool South Park anfühlte, plätscherten "Dead Kids" und "The Problem with a Poo" meiner Meinung nach sehr vor sich hin, und blieben vor allem in Sachen Kritik sehr vage. ZiB hat das Problem schon beschrieben, es scheint, als versuchten TP und MS immer noch alles, um nicht in eine Schublade gesteckt werden zu können und dem Ruf gerecht zu werden, dass jeder sein Fett weg bekommt, aber dabei kommen immer öfter Folgen raus, in denen klare Statements fehlen und letztendlich jeder einfach das herausinterpretieren kann, was er will. Dabei werden oft Positionen zwangsläufig als Gegensätze dargestellt, die eigentlich keine sein müssten, und damit macht South Park letztendlich genau den Fehler, den alle Radikalen, egal auf welcher Seite, machen, nämlich die Dinge so darzustellen, dass es nur schwarz und weiß, nur für oder gegen geben könne, ohne dabei wirklich zu differenzieren und vor allem klarzustellen, in welchem konkreten Fall mal die eine und mal die andere Seite richtig liegt. Während ich früher bei South Park das Gefühl hatte, dass ihre Art und Weise, Dinge zu parodieren, immer mit der Intention verfolgt wurde, die schwarzen Schafe auf allen Seiten herauszupicken und vor allem Heuchelei und Doppelmoral zu entlarven, fehlt mir dieses Gefühl bei den jüngeren Folgen praktisch komplett, stattdessen weiß ich kaum noch, was ich von ihnen halten soll, insbesondere wenn zunehmend rechte Gruppen die Episoden für sich vereinnahmen, eben weil sie vage genug sind, um das zuzulassen. Unter anderem aus diesem Grund mochte ich auch die ganze Staffel über die Storyline um die PC-Babies überhaupt nicht.


    Nach der Episode "Tegridy Farms", die ich trotz positiver Reaktionen in den USA und dem Wiedererscheinen von Towelie einfach wieder komplett vergessen habe, kamen dann meine drei Highlights dieser Staffel. Die Halloween-Folge "The Scoots" konnte mich - ohne sie jetzt mit früheren Halloween-Specials zu vergleichen - rundum überzeugen, weil mir sowohl Kenny und Mr Mackey in den Hauptrollen als auch das Thema mit den Scootern und die Art und Weise, wie sie in der Episode zum Einsatz kamen, sehr gefallen haben.
    Richtig überrascht hat mich aber der darauffolgende Cereal-Zweiteiler. Soweit ich mich erinnern kann, ist noch nie vorgekommen, dass sich South Park bei irgendeiner Person oder Gruppe, die früher durch den Kakao gezogen wurde (und im Fall von Al Gore nicht gerade zimperlich), in der Form und so direkt "entschuldigt" hat und dass die Macher von ihrem damaligen Standpunkt derartig abweichen. Genau das ist aber hier passiert. Al Gore wird zwar im Verlauf des Zweiteiler immer noch mehr und mehr wie ein Idiot dargestellt (wohl als kleiner "Ausgleich", um weiterhin klarzustellen, dass sie von ihm als Person nicht viel halten), aber bei der Thematik, für die er sich einsetzt, haben sie hier eine glatte 180-Grad-Wende gemacht. Hier gab es endlich mal wieder das, was mir wie im vorherigen Absatz beschrieben schon seit längerem gefehlt hat: Klare Statements - und wie klar! Die tödlichen Folgen des Klimawandels/ManBearPigs, dass selbst jetzt eine breite Masse an Leuten die Sache immer noch ignoriert, bis sie selbst unmittelbar betroffen sind, und nicht zuletzt der Umgang damit. Die bitterböse Darstellung, dass man sich lieber mit (Video)spielen (hier RDR2, exzellent eingebaut) oder auch sonst ablenkt, solange man die Konsequenzen nicht selbst zu spüren bekommt, ließe sich so im Grunde auch auf jedes andere Problem übertragen, und auch die Auflösung am Ende war trotz ihrer allzu banalen Darstellung (die aber vielleicht gerade wegen des ganzen Gemetzels vorher gut gepasst hat) ein Treffer ins Schwarze. Die Cereal-Doppelfolge dürfte damit so ziemlich das Beste sein, was South Park in den letzten Jahren rausgehauen hat.


    Leider konnte die Qualität mit "Buddha Box" nicht im Ansatz gehalten werden. Auch diese Episode dümpelte eher vor sich hin, Cartman war zwar mal wieder typisch Cartman, aber ansonsten fühlte es sich wie eine schlechtere Kopie der Tourette-Folge an, schlechter deswegen, weil Trey und Matt hier deutlich das fehlende Feingefühl im Umgang mit dem Thema Angststörungen anzumerken ist. Dass die Smartphones und das Internet oft nicht die Lösung, sondern Ursache von Problemen sind, ist zwar nicht verkehrt, aber auch keine wirklich neue Botschaft, und das ganze so darzustellen, dass die offensichtliche Mehrheit der Menschen mit Angststörungen diese nur simuliere und das alles Einbildung sei, halte ich für völlig fehlgeleitet und das zeugt auch von komplett unzureichender Recherche und vor allem dem fehlenden Willen, das Thema wirklich ernsthaft zu behandeln. So gesehen wars ein ziemlicher Griff ins Klo.


    Das Staffelfinale überraschte dann abermals mit einer ziemlichen Distanzierung von früheren Positionen. War South Park generell eigentlich immer recht kapitalismusfreundlich eingestellt und hatte man in "Gnomes" noch gesagt, Großkonzerne seien etwas gutes und aus gutem Grund so groß geworden, so wurde nun einer der größten dieser Konzerne schonungslos in die Mangel genommen. Wichtig und gelungen fand ich, dass man es aber nicht als pures Amazon-Bashing aufgebaut hat, sondern gleichzeitig eben auch die Konsumentenseite gezeigt hat, der Arbeitnehmerrechte bei Amazon ja durchaus wichtig sein mögen, aber nicht so wichtig, wie ihre Ware günstig, bequem und pünktlich geliefert zu bekommen. Man hat also wirklich die Widersprüche des ganzen kapitalistischen Systems unter die Lupe genommen und in der zweiten Hälfte darauf hingewiesen, dass Amazon, so schonungslos es seine Arbeiter ausbeutet und so sehr es der Wirtschaft in einer Region langfristig schadet, letztendlich auch nur "nach den Regeln" spielt, so wie auch Randy, der mit seinen Ideen, sein Cannabis zu den Kunden zu bringen, sich letztendlich nicht viel anders verhält. Was die reine Darstellung dieses doch recht komplexen Systems angeht, fand ich das Staffelfinale äußerst gelungen. Auch nett war in der letzten Episode die kleine Selbstreflexion mit den Jungs darüber, dass man, egal wie man sich bemühe, es einfach nicht mehr schaffe, die Gemüter so zu erhitzen wie einst, obwohl sich doch sonst heute über vieles deutlich schneller aufgeregt wird. Leider fand ich die Auflösung der Geschichte nicht wirklich befriedigend, das kam irgendwie so aus dem nix, so "ja, wir verjagen Bezos, mit Gras brauchen wir kein Amazon, alles ist wieder gut, Bike Parade juhu!". Das hat das Finale für mich ziemlich runtergezogen, weil es gegen Ende doch eher überstürzt daherkam.


    Aber was ziehe ich jetzt für ein Fazit aus der Staffel? Im Grunde genauso durchwachsen wie die Staffel zuvor, immerhin hat sie von ihrem Potential etwas mehr genutzt, wobei ihr sicher zugute kam, dass mal nicht jede Episode darauf setzte, topaktuell zu sein und stattdessen auch Themen gewählt wurden, die die Menschen schon länger bzw. dauerhaft beschäftigen, und die Staffelmitte fand ich durchweg gelungen. Das Staffelfinale hätte großartig werden können, hätte man nicht wieder versucht, so hastig alle möglichen Handlungsstränge der Staffel wieder zusammenzubringen und sich dabei einige grobe Schnitzer erlaubt.


    Aber: Ich werde einfach den Eindruck nicht los, dass diese Staffel ein recht deutliches Vorzeichen für einen Abschied darstellen soll. Wie bekannt ist, laufen die Verträge dieses Jahr mit der 23. Staffel aus, und müssten für weitere Staffeln verlängert werden. Das mag zwar derzeit noch offen sein, aber viele Elemente in der 22. Staffel sprechen bereits dafür, dass Ende diesen Jahres Schluss sein wird: Mehrere bekannte Figuren wurden herausgeschrieben, man hat Hankey fortgejagt, im Staffelfinale hat sich als direkte Reaktion darauf auch Santa Claus verdünnisiert (wobei bei ihm nicht klar ist, ob das jetzt von Dauer ist), und Satan wurde sogar getötet, und das sieht mir nicht nach einem Tod aus, der nur bis zum Ende der Staffel besteht. Warum sollte man gleich mehrere bekannte Figuren, die seit Staffel 1 fest zu South Park gehörten und ganz ohne Zweifel auch ihre Fans haben, in so kurzer Zeit aus der Serie nehmen? Bei Hankey wäre ich noch davon ausgegangen, dass TP und MS ihn wie Barbrady nicht mehr für zeitgemäß halten, aber bei Satan und Santa kann ich mir das nicht im Ansatz vorstellen. Ein weiterer, wichtiger Indikator ist aber die Thematik der zweiten Staffelhälfte. Solche Sinneswandel, dass die Serie derart ihre einstigen Standpunkte revidiert, habe ich bei South Park, auch wenn sich die Serie in 22 Jahren zweifelsohne weiterentwickelt habe, noch nie erlebt und hätte auch nie damit gerechnet, schon gar nicht zweimal in einer Staffel. Beim Thema Klimawandel war es zwar in gewisser Weise auch unausweichlich, wenn sie da nicht als ewiggestrig rüberkommen wollen, aber das sehr kapitalismuskritische Finale (und man sollte nicht vergessen, dass TP und MS beide mittlerweile für ihre libertäre Einstellung bekannt sind) kam sehr unerwartet. Nur, warum erst jetzt, warum nicht schon früher? Ist ja nicht so, als wären die Folgen des Klimawandels erst mit dem Amtsantritt von Donald Trump spürbar geworden, und wie Amazon seine Lohnsklaven ausbeutet, um die Kunden rundum einzulullen, und wie es (genau wie der Onlinehandel insgesamt) dem Einzelhandel zu schaffen macht und die Malls aussterben, ist auch kein Thema, das erst seit gestern relevant wäre. Ich kann mir das nur damit erklären, dass man vor dem Serienaus noch ein paar alte Sünden wieder gutmachen will. Auch die #cancelsouthpark-Aktion, über deren Bedeutung man lange im Dunkeln tappte, scheint ein Hinweis darauf zu sein, wenn man die Meta-Szene in der letzten Folge halbwegs ernst nimmt; so als wollten sie aufhören, aber schafften es trotz aller Bemühungen nicht, die Leute so zu verärgern, dass diese nach der Absetzung verlangen.


    Und meine ehrliche Meinung dazu? Von Staffel 18 ausgehend hätte ich noch locker 10 Staffeln mehr haben können, aber wenn das so weitergeht wie bisher, ist es mir doch deutlich lieber, wenn es dazu nicht kommt. In Staffel 23 steht die 300. Episode an, da rechne ich fest damit, dass wir noch ein großes Special bekommen werden, aber vielleicht ist es besser, es nach dieser Staffel gut sein zu lassen. Auch in Staffel 21 und 22 konnten sie uns noch immer mit einigen sehr guten Folgen überraschen, aber wenn ihr eigener Eindruck so zu sein scheint, dass die Luft raus sei, dann sollten sie den Schritt auch gehen und nicht darauf warten, dass "genug" Leute offen danach verlangen. Dem Publikum das Erlebnis absichtlich zu verhageln, sei es durch die zwanzigste Überdosis Randy oder dumpfe Provokationen ohne wirklich sinnvolle Botschaft dahinter, hielte ich für den denkbar schlechtesten Weg, eine Serie mit einem Status, wie South Park ihn sich über Jahre mühsam erkämpft hat, zu Ende zu bringen, und ich hoffe, dass es dazu nicht kommt, und sie sich entweder für weitere Staffeln wieder aufrappeln oder aber uns mit der 23. Staffel ein Finale bescheren, an das sich jeder aufs angenehmste erinnert.

    Aw jeez, where's all this violence coming from, man?

    Is it the video games? I bet it's the video games!



    Radioman, Spec Ops: The Line, 2012

  • Ich wollte hier längst etwas zu schreiben...


    Zum Großteil ging es mir wie Lugo. Meine Lieblingsfolgen waren das Halloweenspecial und die Cerial-Doppelfolge. Und ich bin langsam auch der Meinung, dass es besser wäre, South Park zu beenden, bevor die Serie weiter in Mittelmäßigkeit versumpft. Denn mit den wirklich genialen Folgen früherer Staffeln kann keine mehr mithalten, und es bleibt zumindest bei mir nicht mehr viel hängen. Experimente gab es in den vergangenen Staffeln zur Genüge, ohne dass sie gefruchtet haben. Das schreibe ich mit dem größten Respekt vor den Fans, die immer noch jede Woche begeistert den neuen Folgen entgegenfiebern, denn denen will ich den Spaß auf keinen Fall verderben. Aber für mich persönlich wäre eine Absetzung an diesem Punkt nicht mehr schlimm, auch wenn South Park seit 20 Jahren ein wichtiger Teil meines Lebens ist. Aber inzwischen sind mir die Leute, die ich dadurch kennengelernt habe, und die Webseiten, die ich dadurch aufgebaut habe (selbst wenn das Planearium dann nur noch ein Archiv wäre) wichtiger als die neuen Folgen der Serie an sich.


    Was die Wahrscheinlichkeit eines nahen Endes angeht... puuuh, da bin ich mir nicht sicher. Die Verträge wurden manchmal Jahre im Voraus verlängert, manchmal sehr knapp vor ihrem Auslaufen. Deshalb kann man daraus noch nicht viel schließen. #cancelsouthpark halte ich immer noch eher für einen Marketinggag als für eine ernst gemeinte Ankündigung. Dazu frage ich mich: Könnte South Park überhaupt noch so schocken, wie damals mit der Mohammed-Folge oder Scientology? Inzwischen war alles schon mal da. Sie könnten zwar durch bewusst politisch inkorrekte Äußerungen für Empörung sorgen, aber begeben sich damit in eine Ecke, in der sie hoffentlich nicht stehen wollen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie momentan nicht genau wissen, welchen Weg sie einschlagen sollen. Denn sie sagten ja selber oft in Interviews, dass sie sich unsicher sind, ob ihr Humor noch zeitgemäß ist, ob sie nicht zu alt werden. Wobei ich finde, dass die alten South Park Folgen zum Großteil noch sehr gut funktionieren - aber wenn man etwas so lange macht, wird es irgendwann Routine und die frischen Ideen bleiben aus. Das dürfte das größte Problem sein.


    Ich denke persönlich trotzdem, dass sie South Park jetzt noch nicht beenden, sondern die Verträge noch einmal verlängern. Einfach aus dem Grund, dass sie nichts anderes haben. Sie haben vor Jahren bereits eine Filmproduktionsfirma gegründet, ein Broadway-Musical gestemmt, haben an Videospielen gearbeitet, wollten sich an TV-Serien beteiligen... alles mit mehr oder weniger großem Erfolg. Aber aktuell habe ich von keinen laufenden Projekten gehört. Es wäre ein seltsamer Zeitpunkt, um ihr Lebenswerk einzustellen. Es sei denn, sie arbeiten geheim an etwas, was noch nicht angekündigt wurde.