Rassismus bei South Park?

  • Hallo,

    Wahrscheinlich sind die meisten hier von der Diskussion genervt, weil sie uralt ist und tausendmal geführt wurde, aber ich habe mir in letzter Zeit tatsächlich mal Gedanken darüber gemacht, ob South Park an einigen Stellen Rassismus beinhaltet ( auch abseits angeblich satirischer Elemente) . Vielleicht hat ja doch jemand Lust seine Gedanken zu dem Thema zu teilen, würde mich auf jeden Fall interssieren.


    Ich denke da konkret an zwei Episoden ( obwohl man mit Sicherheit auch noch viel mehr Beispiele finden würde). Zum einen ist da die Episode „Passion of The Jew“, wo der Antisemitismus meiner Meinung nach keinen satirischen Wert hat ( sofern das überhaupt möglich ist), da nicht auf einen Missstand hingewiesen wird.Vielmehr wird Antisemitismus hier auf einen einfachen gag reduziert und damit letztendlich als witzig dargestellt wird. Generell finde ich die antisemitischen Äußerungen von Cartman schwierig, da sie kaum wirklich hinterfragt werden, und Cartman ja eindeutig darauf ausgelegt ist, die beliebteste Figur zu sein. Ich will damit nicht sagen, dass ich Trey Parker und Matt Stone ( der ja soweit ich weiß selbst Jude ist) überzeugte Antisemiten sind, ich würde nur ihren Umgang damit kritisieren.


    Als zweites Beispiel möchte ich die Episode „Goobacks“. Dort wird am Ende als „Moral“ mitgegeben, dass es zwar bedauerlich ist, dass es bei den Einwanderern aus der Zukunft so schlecht es, es durch sie in South Park aber genau so schlecht werden wird. Das könnte meiner Meinung nach auch aus dem Mund eines „gemäßigteren“ Afd-Politikers kommen.


    Soviel zu meiner Sicht. Vielleicht hat ja jemand Lust seine Sichtweise zu teilen. Wenn der thread als zu unsinnig angesehen wird, kann er natürlich auch gerne sofort wieder geschlossen werden.

  • Zitat

    Generell finde ich die antisemitischen Äußerungen von Cartman schwierig, da sie kaum wirklich hinterfragt werden, und Cartman ja eindeutig darauf ausgelegt ist, die beliebteste Figur zu sein.

    Ich finde im Gegenteil, dass Cartman eher deutlich ein Medium für komplett absurde Ideen und Prinzipien ist und sie ihn einfach dafür verwenden können, eine Meinung als "falsch" hinzustellen, indem er sie hat.

  • Cartman war für mich immer eindeutig eine negative Figur, die in erster Linie Dummheiten von sich gibt und fragwürdige Meinungen vertritt. Vernünftige Ansichten kamen von Stan und Kyle, während Cartman laut Trey Parker und Matt Stone als das böse, dumme Kind konzipiert wurde. Dass sie darauf abzielten, dass ausgerechnet er zu einer Kultfigur wird, würde ich nicht bestreiten... aber beliebt zu sein, muss ja nicht bedeuten, dass er eine Vorbildfunktion haben soll. Denn die haben viele beliebte Filmböesewichte auch nicht.


    Trotzdem finde ich die Idee zu dem Thread gut, denn ich habe auch schon oft über Rassismus und South Park nachgedacht. Was mir dabei immer wieder auffällit, ist, dass es zwei Sichtweisen gibt: Die, wie etwas gemeint ist... und die, wie es von den Fans verstanden wird. Fast alle South Park Fans, die ich kennen lernen dürfte, waren eindeutig gegen Rassismus und verstanden South Park als Satire, die der Gesellschaft mit Cartmans Verhalten einen Spiegel vorhalten will. Aber es gibt leider genügend Ausnahmen. Nazis benutzen South Park Zitate völlig unironisch, und dazu zählt dann natürlich vor allem Cartman. Damit wird die Botschaft ins Gegenteil verdreht. Ich selber würde heute auf keinen Fall mehr aus dem Zusammenhang gerrissene Stellen aus South Park auf der Straße zitieren, weil mir inzwischen klar ist, wie sie auf Außenstehende wirken. Aber bei dem, was andere Fans völlig unreflektiert so von sich geben, wird mir schon manchmal ein kleines bisschen schlecht (Klassiker: Juden-Beleidigungen).

  • Cartman war für mich immer eindeutig eine negative Figur, die in erster Linie Dummheiten von sich gibt und fragwürdige Meinungen vertritt. Vernünftige Ansichten kamen von Stan und Kyle, während Cartman laut Trey Parker und Matt Stone als das böse, dumme Kind konzipiert wurde. Dass sie darauf abzielten, dass ausgerechnet er zu einer Kultfigur wird, würde ich nicht bestreiten... aber beliebt zu sein, muss ja nicht bedeuten, dass er eine Vorbildfunktion haben soll. Denn die haben viele beliebte Filmböesewichte auch nicht.

    Dass Cartman nicht als Vorbild konzipiert wurde, sehe auf jeden Fall, aber dass er das er darauf angelegt ist, eine Kultfigur zu sein reicht meiner Meinung nach schon, um meiner Meinung nach zumindest zweifelhaft zu sein. Vielleicht bitn ich da aber mittlerweile auch zu empfindlich (mit Filmbösewichten kann man das auch nicht wirklich vergleichen, finde ich). Wie gesagt werden mir seine Aussagen häufig auch zu wenig hinterfragt, um tatsächlich satirischen Charakter zu haben. Worin bestände denn z.B. der satirische Charakter in der besagten Folge über den Mel Gibson-Film? Ich sehe in den dort getätigten Aussagen (sowas wie "Es ist Zeit für Reich", oder "Wir müssen die Juden ausrotten") eher wie ein gag, der irgendwie schockieren soll. Ansätze von satirischen Elementen wirken da bestenfalls vorgeschoben. Ich habe in den letzten Jahren zugegeben wenig South Park gesehen, aber wenn ich mich recht erinnere ist es ja in zumindest einigen Episoden auch so, dass Cartman trotz oder gerade wegen seiner Art als Sieger hervorgeht.


    Dass besonders Aussagen von Cartman von einigen unkritisch übernommen werden, ist mir auch oft aufgefallen, nicht nur bei tatsächlichen Nazis. Vor 8-10 Jahren, als ich selbst Jugendlich war, war South Park natürlich einer der beliebtesten Cartoon-Serien, auch wegen den Cartmans Sprüchen. Klar waren das nicht alles überzeugte Rechtsextremisten, die hinter dem Inhalt standen, aber dennoch wurden da Zitate übernommen, ohne dass sich jemand Gedanken über deren tatsächliche Bedeutung macht und das stört mich. Ich will auf keinen Fall sagen, dass South Park Jugendliche zu Nazis erzieht, dennoch denke ich, dass Trey Parker und Matt Stone sich dieser "Auswirkungen" bewusst sind (zumindest kann ich mir absolut nicht vorstellen, dass es nicht so ist) und diese sogar in gewisser Weise forcieren.

  • Worin bestände denn z.B. der satirische Charakter in der besagten Folge über den Mel Gibson-Film?

    Cartman inspiriert der Film dazu, seinen sowieso schon in ihm schmlummernden Judenhass voll auszuleben. Selbst als alle anderen am Ende verstehen, dass Mel Gibson ein Trottel ist, dem man nicht folgen sollte, bleibt Cartman dabei. Das hat finde ich schon deutliche Parallelen zu z.B. den rassistischen Trump-Fans, die ihn selbst dann noch unterstützen, wenn er den größten Quatsch von sich gibt. Und ebenfalls unter dem Vorwand, gute Christen zu sein. Solche Menschen gab es ja schon vorher, sie wurden nur in den letzten Jahren präsenter. Damals war Cartmans Hitler-Darstellung so überspitzt und Hitler galt allgemeinhin so eindeutig als Verkörperung des Bösen, dass die Folge für mich gut funktioniert hat.


    Einen anderen Punkt an der Folge finde ich fragwürdiger als Cartmans Darstellung... damit kommen wir zu etwas, was ich South Park wirklich vorwerfe. Und zwar sind Trey Parker und Matt Stone immer mal wieder der Meinung, dass es nicht der Mühe Wert sei, sich über einen Misstand aufzuregen. Oder zumindest bleiben sie in ihrer Aussage schwammig, anstatt klar Position zu beziehen. Das wurde in den letzten Jahren immer auffälliger im Vergleich zu den frühen Staffeln, als es oft sogar noch die klare Moral am Ende der Folgen gab.

    In "Die Passion des Juden" sagen sie, wenn ich mich richtig erinnere, im Grunde folgendes aus: Mel Gibson ist ein Dummkopf und sein Film ist scheiße. Aber selbst wenn er antisemitisch ist, ist es am besten, ihn zu ignorieren. Sollte man das wirklich? In späteren Folgen wie "Safe Space" wird das noch deutlicher. In dieser Folge ging es darum, wie man auf Hasskommentare im Internet reagieren sollte. Die Aussage ist nicht ganz eindeutig und wurde von vielen Zuschauern so verstanden, dass es albern sei, sich vor negativen Kommentaren schützen zu wollen. Ich habe nach dieser Folge viele South Park Fans gesehen, die meinten: Genau, legt euch halt ein dickes Fell zu, wenn ihr im Internet unterwegs seid! Das fand ich furchtbar, weil ich weiß, welche Macht Hasskommentare haben. Ich weiß nicht, ob das die Absicht hinter der Folge war... aber selbst wenn nicht, muss ich Trey Parker und Matt Stone vorwerfen, dass sie eine sehr fragwürdige Botschaft verbreitet haben. Auch die PC Babys aus den neueren Folgen sind so ein Fall. Sie wurden als Parodie auf übertriebene Political Correctness eingebaut, weil South Park traditionell gegen alle schießt. Das mochte ich eigentlich auch mal an der Serie. Nur sind die Zeiten gerade etwas Spezielles. Was vor 20 Jahren noch harmlos war, wird heute dankend von Alt-Right Kreisen aufgenommen und verbreitet. Nicht alle, die die PC Babies lustig finden, haben natürlich solche Ansichten. Aber sehr viele mit solchen Ansichten fühlen sich durch sie bestätigt.


    Ich denke auf keinen Fall, dass Trey Parker und Matt Stone Rassisten sind. Schon alleine wegen dem, was man über ihre Familien weiß, und weil sie sich in den Folgen oft genug gegen Rassismus positioniert haben. Aber ich denke, dass es heutzutage immer schwieriger wird, die alte "wir sind neutral und verarschen jeden gleich" Schiene zu fahren, ohne dabei dann doch einer Seite (und das ist in diesem Fall die mit den Rassisten und Sexisten) mehr in die Karten zu spielen. Das ist das selbe Problem wie mit etablierten Videospielefirmen, die auf Teufel komm raus behaupten, unpolitisch zu sein. Und vor 20 Jahren etwas zu feiern, weil es nicht politisch korrekt war, war auch etwas anderes, als heute.

  • Als zweites Beispiel möchte ich die Episode „Goobacks“. Dort wird am Ende als „Moral“ mitgegeben, dass es zwar bedauerlich ist, dass es bei den Einwanderern aus der Zukunft so schlecht es, es durch sie in South Park aber genau so schlecht werden wird. Das könnte meiner Meinung nach auch aus dem Mund eines „gemäßigteren“ Afd-Politikers kommen.


    Diese Folge habe ich glaube ich seit ihrer Erstausstrahlung 2004 nicht mehr gesehen, deswegen musste ich eben erst das Script nachlesen.
    Stan sagt ja eine ganze Menge am Ende:


    "I think it's wrong to call them goobacks because they're no different from us. They're just humans trying to make their lives better. Look, it sucks that the immigrants' time is so crappy, but the cold hard truth is that if we let them all come back to our time, then it's just gonna make our time crappy too. Maybe the answer isn't trying to stop the future from happening, but making the future better."


    Er ist zwar wirklich der Meinung, dass wir nicht alle aufnehmen können, denen es schlecht geht. Das ist etwas, was ich zumindest auf die europäische Situation bezogen, nicht so sehe (wir wissen ja nicht, auf welche Flüchtlinge sich genau bezogen wird). Aber er sagt auch zwei Dinge, die ein AfDler wahrscheinlich nicht so sehen würde: Dass wir alle gleich sind, und man nicht auf die Flüchtlinge herabblicken sollte. Und dass wir helfen sollten, die Fluchtursachen zu bekämpfen, weil wir die Verantwortung tragen.


    Ich stimme dir zu, dass der Part mit dem "...the cold hard truth is that if we let them all come back to our time, then it's just gonna make our time crappy too." für sich genommen heute unangenehm an die Argumente von Rassisten während der Flüchtlings"krise" erinnert. Aber die Folge ist davor entstanden, und ich erinnere mich nicht daran, dass wir sie damals rassistisch fanden. Wenn ich mal so frei sein darf, dich mit deinem Kommentar von 2011 zu zitieren ;) "Das Einwanderungsproblem wurde gut und mit viel Witz dargestellt, ohne ausländerfeindlich zu werden." Und ich hätte dir damals beigepflichtet. Das zeigt denke ich, dass wir dadurch, dass wir uns mehr mit der Fluchtthematik beschäftigt haben, in den letzten Jahren sensibilisiert wurden. Die Frage ist jetzt nur, ob die Folge damals in ihrer Aussage rassistisch war, und wir es nur nicht bemerkt haben... oder ob sie bloß heute auf uns so wirkt, weil bestimmte Phrasen inzwischen nur noch aus rassistischem Kontext kennen. Ich bin mir da selber nicht sicher. Ich war definitiv früher weniger sensibilisiert für das Thema als heute. Aber ich sehe in diesem Fall die Moral der Folge nicht ganz so kritisch, wenn man sie im Gesamten betrachtet. Dass wir alle gleich sind und der privilegierte Teil der Weltbevölkerung den ärmeren Ländern helfen sollte, halte ich auch heute noch für eine Aussage, die ich unterschreibe. Und wenn man das Ganze darauf bezieht, dass wir die Umwelt schützen müssen, um durch den Klimawandel bedingte Massenfluchten in der Zukunft zu verhindern, dann auch.


    Aber das ist natürlich nur meine Sichtweise.

  • Er ist zwar wirklich der Meinung, dass wir nicht alle aufnehmen können, denen es schlecht geht. Das ist etwas, was ich zumindest auf die europäische Situation bezogen, nicht so sehe (wir wissen ja nicht, auf welche Flüchtlinge sich genau bezogen wird). Aber er sagt auch zwei Dinge, die ein AfDler wahrscheinlich nicht so sehen würde: Dass wir alle gleich sind, und man nicht auf die Flüchtlinge herabblicken sollte. Und dass wir helfen sollten, die Fluchtursachen zu bekämpfen, weil wir die Verantwortung tragen.


    I

    Ok, das mit dem AFD-Vergleich war wohl wirklich übertrieben, ein Problem mit dieser Aussage habe ich aber dennoch. Ich würde aber nicht sagen, dass die Aussage im Jahr 2004 weniger problematisch war, als heute nur weil es noch keine AFD gab. Die Aussage bleibt ja die gleiche.


    Ich bzweifle auch, dass ich 2011 überhaupt irgendeine Ahnung hatte, was ich da schreibe;). Seitdem hat sich meine politisch Einstellung sowieso vollkommen veerändert. Vor allem, wenn ich daran denke, dass ich zu der Zeit hier noch verkündet habe, dass ich die CDU wähle und jetzt so ziemlich das genache Gegenteil der Fall ist. Als Maßstab kann man diese Aussage von damals also nicht wirklich nehmen ;).

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    Das mag für den ein oder anderen etwas unglücklich formuliert sein, aber ich finds nice. Ist schwachsinnig, dass Syncronsprecher nur Figuren gleichnen kulturellen Hintergrunds sprechen sollen dürfen.

  • Aber dann nicht von Trey Parker oder? Ich kenne die Diskussion, dass Synchronsprecher nur Charaktere gleichen kulturellen HIntergrunds sprechen sollen tatsächlich nichtaber diese ganze Diskussion um kulturelle Aneignung etc. nimmt teilweise ziemlich absurde Züge an. Ich finde diese Reaktion eigentlich recht witzig.

  • Trey Parker hat das ja nicht wirklich gesagt, sondern das Meme wurde wenn ich mich nicht total irre frei erfunden. Und da frage ich mich, was wohl die Motivation dahinter war und aus welchen Kreisen es stammt. Denn die Art wie es formuliert ist (inklusive des Vergleichs von dunkelhäutigen Menschen mit Kacke) und der Zeitpunkt pünktlich zu den BLM Protesten ist schon ein wenig verdächtig.